Quelle: WAZ Castrop-Rauxel
Dienstag, 17. Oktober 2006

Zurück zu den Wurzeln
Kleingärtner bauen wieder mehr Obst und Gemüse an, denn frische und gesunde Nahrung wird zunehmend teurer. Auch die Diskussion über Tierhaltung ist wieder im Gange
Bayrische Bierzeltstimmung in Henrichenburg: Die Kleingärtner feierten ein zünftiges Oktoberfest. Foto: Joseph-W. Reutter 

Von Eva Arndt

Zurück zur Natur war bei den Kleingärtnern schon immer die Devise. Zurück zu den Wurzeln heißt es jetzt ganz im Sinne der erdverbundenen Naturliebhaber. Denn der Trend geht immer mehr zum Anbau von Obst und Gemüse auf der eigenen Scholle. Ja, was haben denn die Kleingärtner in den letzten Jahren sonst gemacht, außer den Acker zu bewirtschaften?
Michael Hülsmann, Pressewart der Kleingartenanlage Henrichenburg an der Borghagener Straße kennt die Gründe: "Viele haben in den vergangenen Jahren keine Lust mehr gehabt, sich um den Anbau von Obst und Gemüse zu kümmern. Aber bei vielen Familien wurde das Geld knapper, die Preise für gesundes Essen dagegen stiegen rasant."
Die Kartoffeln seien zum Beispiel mit der Begründung viel teurer geworden, dass es eine schlechte Ernte gegeben habe. "Ich kann das gar nicht nachvollziehen, meine Ernte ist ausgesprochen gut", bekennt Hülsmann. Bei dem Trend "zurück zum eigenen Anbau" stehe auch die ein Drittel-Vorschrift nicht im Wege. In den Kleingartenanlagen soll ein Drittel der Fläche grün bleiben, ein Drittel dem Anbau von Obst und Gemüse dienen und ein Drittel für Bäume und Sträucher verwendet werden. Man soll die Jahreszeiten im Garten erkennen können und ein abwechslungsreiches Bild bieten. Kohlrabi, Kartoffeln, Tomaten, Kürbis, Salat, Zucchini und Gurken anzubauen, hat also nicht mehr nur mit leidenschaftlichem Gärtnern zu tun, sondern ist eben auch eine Möglichkeit, Geld zu sparen. Vor allem Kinder könne man für die eigene Ernte absolut begeistern. "Viele Stadtkinder kennen wirklich nicht mehr den Geschmack von frischen Erdbeeren, wissen nicht, dass Möhren in der Erde heranwachsen und haben noch nie Tomaten im Garten wachsen sehen", sagt Hülsmann.
Die Erkenntnis habe ihn so erschreckt, dass er Kindergartengruppen einlädt, um den Knirpsen zu zeigen, wie man Kartoffeln ausgräbt und wie Bienen leckeren Honig produzieren. Was jetzt auch wieder aktuell wird bei den Kleingärtnern, ist die Diskussion um Tierhaltung. Ergebnis offen.