| Bayrische Bierzeltstimmung
in Henrichenburg: Die Kleingärtner feierten ein zünftiges Oktoberfest.
Foto: Joseph-W. Reutter
Von Eva Arndt
Zurück zur Natur war
bei den Kleingärtnern schon immer die Devise. Zurück zu den Wurzeln
heißt es jetzt ganz im Sinne der erdverbundenen Naturliebhaber. Denn
der Trend geht immer mehr zum Anbau von Obst und Gemüse auf der eigenen
Scholle. Ja, was haben denn die Kleingärtner in den letzten Jahren
sonst gemacht, außer den Acker zu bewirtschaften?
Michael Hülsmann, Pressewart
der Kleingartenanlage Henrichenburg an der Borghagener Straße kennt
die Gründe: "Viele haben in den vergangenen Jahren keine Lust mehr
gehabt, sich um den Anbau von Obst und Gemüse zu kümmern. Aber
bei vielen Familien wurde das Geld knapper, die Preise für gesundes
Essen dagegen stiegen rasant."
Die Kartoffeln seien zum
Beispiel mit der Begründung viel teurer geworden, dass es eine schlechte
Ernte gegeben habe. "Ich kann das gar nicht nachvollziehen, meine Ernte
ist ausgesprochen gut", bekennt Hülsmann. Bei dem Trend "zurück
zum eigenen Anbau" stehe auch die ein Drittel-Vorschrift nicht im Wege.
In den Kleingartenanlagen soll ein Drittel der Fläche grün bleiben,
ein Drittel dem Anbau von Obst und Gemüse dienen und ein Drittel für
Bäume und Sträucher verwendet werden. Man soll die Jahreszeiten
im Garten erkennen können und ein abwechslungsreiches Bild bieten.
Kohlrabi, Kartoffeln, Tomaten, Kürbis, Salat, Zucchini und Gurken
anzubauen, hat also nicht mehr nur mit leidenschaftlichem Gärtnern
zu tun, sondern ist eben auch eine Möglichkeit, Geld zu sparen. Vor
allem Kinder könne man für die eigene Ernte absolut begeistern.
"Viele Stadtkinder kennen wirklich nicht mehr den Geschmack von frischen
Erdbeeren, wissen nicht, dass Möhren in der Erde heranwachsen und
haben noch nie Tomaten im Garten wachsen sehen", sagt Hülsmann.
Die Erkenntnis habe ihn
so erschreckt, dass er Kindergartengruppen einlädt, um den Knirpsen
zu zeigen, wie man Kartoffeln ausgräbt und wie Bienen leckeren Honig
produzieren. Was jetzt auch wieder aktuell wird bei den Kleingärtnern,
ist die Diskussion um Tierhaltung. Ergebnis offen. |